Wie komme ich zur Schuldnerberatung?

Die Schuldnerberatungsstellen der Diakonie helfen Menschen und ihren Familien kostenfrei einen Weg aus der Schuldenspirale zu finden.

Der erste Kontakt findet meist telefonisch statt. Dabei erfolgt eine erste kurze Beratung am Telefon und/oder der Verweis auf die Telefonberatungszeiten.

Ist dieses Gespräch bereits ausreichend, findet keine weitere langfristige Begleitung statt.

Sind die Probleme gravierender, wird ein Termin zu einer persönlichen Beratung mit umfassender Analyse vereinbart.

 

Zur Diakonie Bayern gehören derzeit 28 Schuldnerberatungsstellen.

Eine Landkarte und die Adressen finden Sie hier (oder klicken Sie auf die Karte).

Karte der Standorte

Was passiert in der Schuldnerberatung?

Die Ratsuchenden werden bei der Stabilisierung ihrer Lebensverhältnisse und der Sanierung ihrer wirtschaftlichen Situation unterstützt, ihr Selbsthilfepotential wird gestärkt und gefördert.

1. Schritt:

  • Bestandsaufnahme (Arbeitgeber, Bankverbindung, evtl. Pfändungen ...)
  • Haushaltsplan erstellen (Übersicht über alle monatlichen Einnahmen und Ausgaben)
  • Haushaltsbuch führen (lückenlose Dokumentation aller variablen Ausgaben wie Essen, Körperpflege, Kino, etc.)
  • Öffnen und sortieren aller Briefe und Unterlagen der Gläubiger

 2. Schritt

  • Gläubigerliste erstellen (Tabelle mit Angaben zu Gläubiger, Höhe der Forderung, Zinsen und Gebühren, geleistetet Zahlungen, aktueller Forderungsstand)
  • Kontaktaufnahme und Verhandlungen mit den Gläubigern

 

Ziel dieser Maßnahmen ist eine Schuldenregulierung, damit der Haushalt nach längerer Beratungs- und Begleitungszeit wieder schuldenfrei ist.

Die Schuldnerberatungsstellen helfen Menschen und Ihren Familien kostenfrei, übernehmen aber keine Tilgungen.

 

Die Säulen diakonischer Schuldnerberatung:

  • Krisenintervention und Existenzsicherung
  • Haushaltsberatung und psychosoziale Beratung
  • soziale Rechtsberatung
  • Erarbeitung tragfähiger Lösungen
  • Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit

Wie ein Tag in der Schuldnerberatung abläuft schildert Maike Cohrs:

http://www.diakonie-rwl.de/themen/soziale-hilfen/sommerportrait-soziale-berufe-1

Von der Schuldnerberatung zur Insolvenzberatung

Schuldnerberatung in der Diakonie bietet auch außergerichtliche Einigungsversuche im Insolvenzverfahren an – sofern sie anerkannte Stellen gemäß § 305 InsO sind – und begleitet überschuldete Menschen in den verschiedenen Verfahrensschritten.  

Die Insolvenzberatung dient der Einleitung eines sog. Verbraucherinsolvenzverfahrens (auch bekannt als Privatinsolvenz). Sie setzt dort an, wo die Schuldnerberatung an ihre Grenzen stößt. Die Klienten sind überschuldet und können ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr leisten. Die Forderungen der Gläubiger können mit den freien Geldmitteln des Haushaltseinkommens in absehbarer Zeit nicht zurückgezahlt werden.

Die Beratung ist - wie bei der Schuldnerberatung - kostenfrei.

Die Diakonie sieht die von der geltenden Insolvenzordnung geregelte Restschuld- befreiung nach einer erfolgreich abgeschlossenen „Wohlverhaltensphase“ in der alttestamentlichen Tradition des Schuldenerlasses. Alle sieben Jahre sollten danach Schuldner von ihrer Schuld entlastet werden (vgl. 5. Mose 15, 1f). Dieses Erlassjahr bewahrte einerseits den Einzelnen und seine Familienangehörigen davor, langfristig in Armut und erdrückende Abhängigkeit zu geraten, andererseits sah man die gesellschaftsstabilisierende Wirkung einer solchen Regelung, die Neuanfänge für alle möglich machen sollte (vgl. 3. Mose 25).
Im Anschluss an diese Tradition nimmt die Insolvenzordnung den Einzelnen zwar in Verantwortung, stellt jedoch Entlastung von dem in Aussicht, was auf absehbare Zeit das Leistungsvermögen übersteigt. Insofern honoriert das geltende Recht ernsthafte Bemühungen um die Befriedung der Gläubiger, verhindert eine auswegslose Verstrickung in Schulden und eröffnet den Weg zu einem Neuanfang in Würde.

Zahlen zur Überschuldung

Schuldnerquoten in Deutschland 2006 bis 2015
Jahr Einwohner Einwohner > 18 Jahre Schuldner Schuldnerquote
2015 81,54 Mio 67,69 Mio 6,72 Mio 9,92 %
2014 81,20 Mio 67,43 Mio 6,67 Mio 9,90 %
2013 80,77 Mio 67,14 Mio 6,58 Mio 9,81 %
2012 80,52 Mio 68,31 Mio 6,59 Mio 9,65 %
2011 80,33 Mio 68,26 Mio 6,41 Mio 9,38 %
2010 81,68 Mio 68,26 Mio 6,49 Mio 9,50 %
2009 81,80 Mio 68,12 Mio 6,19 Mio 9,09%
2008 82,00 Mio 67,97 Mio 6,87 Mio 10,11 %
2007 82,22 Mio 67,63 Mio 7,34 Mio 10,85 %
2006 82,31 Mio 67,29 Mio 7,19 Mio 10,68 %

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